FAQ zur DSGVO: Einwilligung der Verbraucher und Ihre Website

GDPR Q&A: Consumer Consent and Your Website

Somer Simpson ist Product & Growth Lead für Quantcast Measure. Zudem leitet sie bei Quantcast die Produktentwicklung rund um das Thema DSGVO – der neuen Gesetzgebung für Privatsphäre und Datenschutz, die am 25. Mai 2018 in Europa in Kraft treten wird.

Wir haben mit Somer gesprochen, um von ihr zu erfahren, wie sie die DSGVO für die Digitalbranche beurteilt und welche Möglichkeiten Websitebetreiber haben, um unter der neuen Gesetzgebung eine Einwilligung von Verbrauchern zu erhalten.

  1. In der Öffentlichkeit gab es einige Kommentar, dass die DSGVO und die Anforderung zum Setzen eines Cookie die Einwilligung der Verbraucher einzuholen, das Ende der digitalen Werbun gin Europa bedeutet. Wie siehst Du das?

Bitte, nicht panisch werden. Ich bin es jedenfalls nicht. Die digitale Medien- und Werbebranche haben in den vergangenen Jahren schon viele Herausforderungen erfolgreich genommen und sich angepasst. In vielen Fällen führte das zu Verbesserungen.

Die DSGVO wird einen deutlichen Einfluss darauf haben, wie digitale Inhalteanbieter und Werbeindustrie arbeiten werden, aber es ist eine Veränderung, die schon seit langem nötig war. Als Branche waren wir zu langsam mit unseren Bemühungen für entsprechende Antworten. Darüber hinaus haben wir immer noch nicht ausreichend genug Informationen, um genau beurteilen zu können, wie sich die Dinge letztlich entwickeln werden. Um ehrlich zu sein, weiß niemand, welchen Einfluss die DSGVO auf die Branche haben wird, wenn Sie im Mai in Kraft tritt.

Das einzige worauf wir uns verlassen können ist, dass sich das Ökosystem oft verändern wird während wir beobachten, lernen und darauf antworten, wie Verbraucher, Websitebetreiber, Werbetreibende und Politik reagieren.

Aus meiner Sicht ist die Absicht hinter der DSGVO absolut positiv, das sie sich auf das Recht der Verbraucher und Websitebetreiber nach Privatsphäre, Transparenz und Kontrolle konzentriert. Lange Zeit hatten Verbraucher keine Idee, wer sie analysiert während sie durch das Internet surfen und zu welchen Zwecken. Ähnlich ging es den Websitebetreibern, denen es schwer gefallen ist zu verstehen, welche Firmen was tracken und persönliche Daten der Nutzer auf ihren Websites und Apps sammeln.

Die DSGVO bringt die dringend nötige Transparenz für das gesamte Ökosystem. Die Herausforderung besteht darin, dies zu gwährleisten und den Verbrauchern gleichzeitig einen uneingeschränkten Zugriff auf Nachrichten, Werbung und Informationen zu ermöglichen.

Die technologischen und wirtschaftlichen Herausforderungen, die die DSGVO, und letzlich auch die ePrivacy Richtlinie, für Websitebetreiber mitsichbringen – vor allem für die Kleineren – sind signifikant. Das ist einer der Gründe, warum Quancast sich im IAB Europe engagiert hat, um einen Branchenstandard zur Sammlung und Verwaltung der Einwilligungen von Verbrauchern zu definieren, die von allen genutzt werden kann. Dadurch wird auch vermieden, dass sich daraus eine weitere unternehmensindividuelle, technische Verpflichtung in der Branche entwickelt, für die Websitebetreiber höchstwahrscheinlich hätten zahlen müssen.

  1. Einige sehen das als europäisches Problem. Was ist Deiner Meinung nach das größte Missverständnis bei der DSGVO?

Ja, das habe ich schon von einigen Leuten gehört (lacht). Was vielen nicht klar ist, ist, dass es davon abhängt, woher der Traffic kommt und nicht wo man seine Zielgruppe vermutet. Wenn ein Websitebetreiber Traffic von europäischen Besuchern verzeichnet, dann findet die DSGVO Anwendung. Auch wenn das für mache nicht-europäischen Websitebetreiber vielleicht nur zehn oder 20 Prozent des Traffics ausmachen, kann es immer noch einen deutlichen Einfluss auf die Werbeerlöse haben. Und die die Werbeerlöse sind das, womit Websitebetreiber häufig ihre Inhalte refinanzieren.

Wir haben einen „GDPR Revenue Impact Calculator“ erstellt, der Websitebetreibern helfen soll zu erkennen, welcher potenzielle Einfluss sich auf ihre Umsätze ergeben könnte, sollten sie keine Einwilligung von Verbrauchern zur Nutzung ihrer Dante erhalten, um releavante Werbung ausspielen zu können.

  1. Das Zustandekommen des Branchenstandards des IAB Europe hat lange gedauert. Du hast Quantcast in der Arbeitsgruppe (Implementation Working Group – kurz GIG) vertreten. Was hat so lange gebraucht?

Es gibt einen Spruch des sagt: Wenn Du schnell sein willst, mach es alleine. Wenn Du weit kommen willst, mach es zusammen. Wir wollten einen Mechanismus entwickeln, den alle Unternehmen – große und kleine, solche mit tiefgehender technischer Expertise und mit begrenzten Ressourcen – nutzen können, um für die Dienstleister mit denen sie arbeiten eine Einwilligung abzufragen, zu verwalten und auszudehnen. Gleichzeitig sollte der Mechanismus diese Informationen den Verbrauchern transparenzt abbilden. Uns war klar, dass wir alleine nicht erfolgreich sein würden und eine solch große Herausforderung als Branche nur bewältigen können, wenn wir uns zusammensetzen und als Branche handeln. Es haben sich daraus interessante Gespräche ergeben – auch mit eher ungewöhlichen Partnern. All das hatte auch seine guten Seiten: Ich habe in der Zeit neue Freundschaften geschlossen.

Das Open Transparency & Consent Framework (TCF) erreicht das Ziel, als Einheit aufzutreten, und bietet einen offenen, nicht-kommerziellen Ansatz, der es Websitebetreibern nicht nur ermöglicht mit der DSGVO konform zu sein, sondern dern Verbrauchern auch mehr Transparenz bietet, wer und wie sie analysiert werden.

  1. Es gibt bereits Einwilligungslösungen auf dem Markt, warum sollte eine Websitebetreiber die Lösung eines Consent Management Providers (CMP) in Erwägung ziehen, die auf dem IAB Europe Standard basiert?

Neben der Anforderung konform mit der DSGVO zu sein, kostet es einen Websitebetreiber deutlich weniger eine CMP-Lösung zu nutzen, die auf dem offenen Standard basiert – im Falle von Quantcast kostet ihn die Lösung sogar gar nichts. Sorry für die Schleichwerbung. Und: Durch einen breiten Einsatz im digitalen Ökosystem werden die zu erwartenden Betriebskosten geringer sein und die Einführung für alle schneller. Das ist ein wichtiger Punkt, um sicherzustellen, dass wir ein gesundes und lebendiges digitales Inhalte- und Werbeökosystem erhalten.

Da die CMP-Lösungen auf einem offenen Standard basieren, arbeiten verschiedene Firmen daran, eine Lösung zu entwickeln und zu innovieren, um eine bestmögliche Produkt- und Nutzererfahrung für Websitebetreiber und Verbraucher zu ermöglichen.

  1. Quantcast war Teil der Implementation Working Group (GIG) im IAB Europe. Entwickelst Du auch die CMP-Lösung?

Ja, wir arbeiten derzeit an Quantcast Choice, einer CMP-Lösung basierend auf dem IAB Europe Branchenstandard. Das Alpha-Testing haben wir bereits abgeschlossen und befinden uns derzeit im Beta-Test. Wer mehr zu der Lösung erfahren oder noch am Beta-Test teilnehmen möchte, sollte unsere Website zu Quantcast Choice besuchen.

Außerdem haben wir neulich ein Whitepaper veröffentlich das mehr Informationen zum Branchenstandard zusammenfasst und erklärt, wir Quantcast Choice funktioniert. Wir wollten mit der Lösung ein Angebot entwickeln, das eine anwenderfreundliche Nutzeroberfläche bietet und gleichzeitig ein klares System für Datenverantwortliche und Auftragsverarbeiter ermöglicht, um eine Einwilligung zu verwalten und an Dienstleister zu übermitteln. Datenverantwortliche und Auftragsverarbeiter sind die Begrifflichkeiten der DSGVO für Unternehmen, die persönliche Daten sammeln und nutzen bzw. für Unternehmen, die persönliche Daten im Auftrag des Verantwortlichen sammeln und nutzen.

  1. Was sind die zentralen Unterschiede von Quantcast Choice im Vergleich zu anderen CMP-Lösungen?

Wenn man bedenkt, wo wir als Branche stehen und wie schnell sich die Dinge verändern, ist das keine einfache Frage. Wir bei Quantcast sind pragmatisch, wenn es darum geht, welche CMP-Lösung ein Websitebetreiber nutzt – so lange es eine Lösung ist, die auf dem IAB-Standard basiert. Es können beispielsweise sogar einzelne Publisher ihre eigene Einwilligungslösung basierend auf dem Rahmenwerk entwickeln.

Ich kann aber sagen, dass wir gemeinsam mit unseren Partner – auf Seiten von Websitebetreibern und Werbetreibenden – Arbeit und Zeit viel investiert haben, um zu verstehen, welche Elemente am wichtigsten sind, um eine Transparenz- und Einwilligungslösung zu erarbeiten, die eine echte Unterstützung ist.

Verschiedene Kunden haben an einem Alphatest teilgenommen. Derzeit sind wir in der Betaphase. Wir werden Ergebnisse aus diesen Test veröffentlichen und haben das Ziel eine verlässliche und umfassend-getestete Lösung im April für alle zur Verfügung zu stellen, die ein leicht-verständliches Nutzererlebnis ermöglicht, das richtige Level an Kontrolle und Individualisierung für die Websitebetreiber bietet und den Anforderungen der DSGVO und ePrivacy-Richtlinie entspricht.